Bereits zum vierten Mal hat die Automobilwoche zum „Women’s Leadership Day“ nach München eingeladen. Rund 150 Frauen aus der Branche nutzten die Konferenz für Austausch, Vernetzung und neue Impulse. Ein Höhepunkt der Veranstaltung war die Verleihung des „Automobilwoche Leadership Award 2026“ an Regine Sixt.
Auszeichnung für Regine Sixt
Die Senior Executive Vice President Marketing des internationalen Mobilitätsdienstleisters Sixt ist seit fünf Jahrzehnten im Unternehmen tätig. Mit der Auszeichnung würdigt die Automobilwoche ihre herausragenden unternehmerischen Leistungen sowie ihre Vorreiterrolle in der Branche.
„Regine Sixt steht für visionäre Führung, unternehmerischen Mut und eine klare Wertebasis. Als Topmanagerin hat sie nicht nur ein erfolgreiches Unternehmen mit aufgebaut, sondern auch gezeigt, wie sich Tradition mit Innovation verbinden lässt“, sagte Automobilwoche-Chefredakteur und -Herausgeber Burkhard Riering. Laudatorin Patricia Riekel ergänzte: „Regine Sixt sieht nicht nur Chancen, sondern erkennt auch Verantwortung. Und dann handelt sie.“
Netzwerke reichen nicht
Eröffnet wurde die B2B-Konferenz mit einer hochkarätig besetzten Paneldiskussion. Sabine Scheunert (Dassault Systèmes), Maria Grazia Davino (BYD) und Laura Kronen (Berylls by AlixPartners) diskutierten unter dem Titel „Let’s do business together – Business als Schlüsselrolle: Einfluss, Wirkung, Ownership“.
Ihre zentrale Botschaft: Netzwerke allein reichen nicht aus. Entscheidend sei, Verantwortung zu übernehmen, sichtbare Rollen anzustreben und sich stärker auf konkrete Geschäftsabschlüsse zu fokussieren. Ebenso wichtig seien selbstbewusstes Verhandeln und der Mut, Perfektionismus zugunsten von Wirkung zurückzustellen.

Agnes Lehbrink im Talk mit VW-Vorständin Anika Stappenbeck.
Mutiger auftreten
Dass Frauen trotz vorhandener Qualifikation oft zu wenig sichtbar sind, betonte auch Anika Stappenbeck, Vorständin Personal Volkswagen Group Components und Leiterin Personal Group Technology. Unternehmen müssten gezielt dafür sorgen, Frauen in Auswahlprozesse einzubeziehen. Gleichzeitig seien Frauen selbst gefordert, mutiger aufzutreten, ihre Komfortzone zu verlassen und Netzwerke strategisch zu nutzen.
In mehreren Masterclasses vertieften die Teilnehmerinnen die Themen Netzwerk, Karriere und Wirkung. Unter dem Titel „From Networking to Impact – Wie nutzen wir Frauen unsere Netzwerke für mehr Innovation und Wettbewerbsfähigkeit?“ zeigten Ramona Scheibe, Sandra Loos und Laura Westphalen von rcp praxisnah, wie Netzwerke gezielt eingesetzt werden können.
Christina Sontheim-Leven und FAZ-Wirtschaftsjournalistin Bettina Weiguny vermittelten in der Masterclass „Machtcodes entschlüsselt“ konkrete Strategien für den beruflichen Alltag. Anika Stappenbeck und Maren Kabowski-Ciecior (Volkswagen) gaben Einblicke in modernes Skill-Management und diskutierten, welche Kompetenzen künftig entscheidend sein werden. Wege in Aufsichtsräte zeigte Silke Robeller, Vize-Präsidentin von FidAR – Frauen in die Aufsichtsräte e. V., auf.
Orientierung in Krisenzeiten
Der Frage nach „Balance statt Gratwanderung: Wenn Führung an der Spitze den Unterschied macht“ gingen Imelda Labbé Präsidentin des VDIK, Gaby Luise Wüst, SVP Volumensteuerung, strategische Preisplanung & Produktmarketing bei Volkswagen und Sevilay Gökkaya, Business Transformation & Mobility Leader nach.
Sie kamen zum Schluss, dass es bei moderner Führung darum gehe, mit Klarheit und Transparenz für seine Sache einzustehen und dem Team gerade in Krisenzeiten Orientierung zu geben. „Verantwortung hört nicht mit einer Entscheidung auf, sie beginnt mit einer Entscheidung“, führte Gökkaya aus.
Insights von Role Models
Beim Women’s Leadership Day, der unter dem Motto „Führung in Zeiten des Umbruchs“ stand, ging es jedoch nicht nur um strukturelle Fragen, sondern auch um persönliche Einblicke erfolgreicher Role Models.
Sylvia Neubauer, Vice President Kunde, Marke und Vertrieb bei BMW M, betonte die emotionale Dimension von Innovation: Performance, Motorsport-DNA und Authentizität seien zentrale Treiber des Markenerfolgs. Die Elektrifizierung verstehe BMW M als konsequente Weiterentwicklung, die neue Chancen eröffnet, ohne die Markenidentität zu gefährden.
Schnelle Entscheidungen
Spannende Insider-Informationen zum Thema „Industrie im Wandel – Führung, Mut, Zukunft“ lieferte Maike Seeber, Werkleiterin Opel/Stellantis in Rüsselsheim. Sie betonte, dass die europäische Industrie trotz wachsender globaler Konkurrenz und hoher Kosten weiterhin ein zentraler Pfeiler für Wertschöpfung und Beschäftigung sei – und dass es nun vor allem Mut, schnellere Entscheidungen und bessere Rahmenbedingungen brauche, um den Standort langfristig zu sichern.
Einen Blick auf die Rolle von Künstlicher Intelligenz warf Isabel Hartung, Multi-Aufsichtsrätin in Tech & AI. Ihr Fazit: Der Einsatz von KI scheitere selten an der Technologie, sondern vielmehr an Führung, Unternehmenskultur und fehlendem Mut. Unternehmen müssten KI zur Chefsache machen, pragmatisch mit konkreten Anwendungsfällen starten und gleichzeitig menschliche Fähigkeiten wie Urteilsvermögen stärken.
KI und Regulatorik
Auch zwei weitere Masterclasses widmeten sich konkreten Fragestellungen aus dem Arbeitsalltag: Die Google-Expertinnen Stefanie Schieber und Anne-Kathrin Müller vermittelten unter dem Titel „Prompting like a Pro“ praxisnahe Einblicke in den Umgang mit KI. Die Juristinnen Jessica Goetsch und Melanie Schub (Hogan Lovells) beleuchteten die aktuellen regulatorischen Herausforderungen rund um Elektromobilität, Verbrauchererwartungen und Lieferketten.
